Flügel und geflügelte Wesen zeichnen
Engel, Fledermaus, Dämon, Drache – das musst du beim Malen solcher Flügel beachten: ihren Aufbau, ihre Bewegung und die Unterschiede zu menschlichen Armen.
Inhalt
1 Einleitung
Unermüdliche und kreative Köpfe haben schon immer von imaginären Welten, Unterwasserstädten, außergewöhnlichen Menschen, traumhaften Kreaturen und genialen Maschinen geträumt. Oder davon, unsichtbar zu werden, gigantisch groß zu werden, Feuer zu spucken oder sogar Laser aus ihren Augen zu schießen. Einer der größten Wünsche der Menschen war jedoch schon immer die Fähigkeit zu fliegen. Wesen wie Pegasus, Greifen, Feen, Dämonen, Walküren, Harpyien, Wasserspeier, Drachen und Engel werden von Künstlern seit Jahrhunderten wiederholt in ihren Werken abgebildet. Eine der größten Gemeinsamkeiten aller dieser Wesen ist, dass sie fliegen. Sie haben alle mindestens ein Paar Flügel.
Ich glaube, für viele von uns kann eine reale und glaubwürdige Darstellung dieser Gliedmaßen die ganze Illustration erschweren, also lass uns dieses Thema heute frontal angehen und diese Hürde nehmen.
In diesem Tutorial zeige ich dir, wie du Flügel von Grund auf richtig zeichnest und sie überzeugend für menschliche wie tierische Charaktere nutzt. Alles, was du brauchst, sind ein paar leere Blätter Papier oder eine digitale Leinwand und ein spitzen Bleistift. Bist du bereit? Los geht’s!
2 Funktion und Aufbau
Bevor wir mit dem Zeichnen der Linien beginnen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, wie Flügel funktionieren, welche Bewegungen sie ausführen können und wo ihre Grenzen liegen. Dies wird uns dabei helfen, die Flügel in unseren Illustrationen glaubhaft und realistisch zu gestalten.
Werfen wir zu Beginn einen Blick auf den menschlichen Arm.

Wie wir sehen, hat der menschliche Arm drei Gelenke: Schulter, Ellbogen und Handgelenk. Die Flügel haben die gleiche Anzahl an Gelenken und einen sehr ähnlichen Bewegungsumfang. Sieh dir dazu das folgende Bild an:

Hier kannst du sehen, dass bei Flügel A der mittlere Abschnitt der längste ist, während der äußerste Abschnitt der kürzeste ist. Dieses letzte Gelenk ist ein Ersatz für eine menschliche Hand. Beachte, dass die Bewegung in Abbildung C der in Abbildung B ähnelt.
Unten siehst du eine Abfolge von Flugbewegungen bei einigen gängigen Flügelarten.

Als Nächstes befassen wir uns mit den beiden häufigsten Arten von Flügeln: gefiederte Flügel (für Kreaturen wie Engel, Greife oder Pegasus) und Flügel mit Membranen (wie die von Fledermäusen, Drachen oder Dämonen).
2.1 Gefiederte Flügel
Jetzt wissen wir, wie Flügel funktionieren und sich bewegen. Nun lass uns die Art der Befiederung für jeden Flügelabschnitt unterscheiden.

Um einen Flügel zu malen, sollten wir mit den Grundformen beginnen, aus denen die Gesamtform besteht. Wie ich bereits erwähnt habe, müssen wir zwischen den Hauptabschnitten (im folgenden Bild zu sehen) differenzieren. In diesem Fall handelt es sich um die beiden Reihen der Deckfedern (1 und 2) und die beiden wichtigsten Abschnitte, die Sekundär- (3) und die Primärfedern (4).
(Innenansicht des Flügels)

Wenn du beim Skizzieren mit der Gesamtstruktur des Flügels fertig bist, integrierst du einfach jeden Abschnitt mit dem entsprechenden Federtyp. Achte dabei auf die Richtung der Federn. Dafür empfehle ich, deine eigenen Nachforschungen anzustellen, indem du Bilder von echten Vögeln als Referenz verwendest.

Die folgenden Diagramme sollen dir für ein besseres Verständnis des Federnaufbaus helfen:

Wie man sieht, sind die Federn so verteilt, dass die größeren, die roten Primär- und die gelben Sekundärfedern an den Enden sitzen und den Flug unterstützen, während die kleineren, die Deckfedern, das Gleichgewicht halten.
Du musst nicht jede einzelne Feder detailliert ausarbeiten, aber ich empfehle dir bei der Reinzeichnung jeden Abschnitt zu differenzieren, um den Flügeln Realismus, Form und Sinn zu verleihen. Jetzt kannst du zum Beispiel einfache Flügel für Engel zeichnen.

2.2 Flügel mit Membranen
Dieser zweite Flügeltyp ist einfacher als der vorherige, da es kein Gefieder zu zeichnen gibt. Gehen wir also direkt auf seine Form ein:

Hier kannst du sehen, wie die unterschiedliche Größe des mittleren Knochens im Vergleich zum vorherigen Flügel mit Federn auffälliger ist. Außerdem ist der dritte knöcherne Teil dieser Flügel in fünf Teile unterteilt, genau wie unsere Finger. Dadurch wird der Flügel mit Membranen in mehrere häutige Abschnitte unterteilt. Diese Membranen ersetzen also die Federn.
Im Folgenden habe ich den Flugablauf eines solchen Flügels dargestellt.

Um diese Flügelform wie bei einem Dämon oder einem Drachen zu zeichnen, empfehle ich, zunächst mit einem menschlichen Arm zu beginnen. Die Muskulatur hängt von deinem Entwurf ab.
Zeichne dann lange, geschwungene Linien, die von jedem Finger ausgehen, mit Ausnahme des Daumens, der zu einer Kralle wird. Jetzt musst du nur noch die Membran formen, indem du die Knochen mit gebogenen Linien verbindest, die am Ende am Rücken der Figur zusammenlaufen.

3 Flügel ins Charakterdesign integrieren
Nachdem du nun die Struktur, die Form und die Arten von Flügeln kennst, ist der nächste Schritt, sie in deine Illustrationen einzubinden. Man kann viel Zeit verschwenden und möglicherweise die Arbeit ruinieren, wenn man trotz perfekt geformter Flügel einen Fehler bei der Positionierung oder bei den Proportionen der Figur macht.
3.1 Flügel an Humanoiden
Bei humanoiden Figuren müssen wir bedenken, dass es sich hier um Fiktion handelt und dass es für uns Menschen wegen unserer Muskulatur und Knochendichte niemals möglich wäre zu fliegen. Wir sollten uns also ein wenig von der Realität entfernen und unserer Fantasie freien Lauf lassen, indem wir uns auf die Kreativität und Ästhetik unserer Figuren konzentrieren.
Zunächst einmal musst du einen wichtigen Punkt der menschlichen Anatomie kennen: die Stellung der Schulterblätter.

Dies bietet sich als natürlichen Ausgangspunkt für unsere Flügel an, da sie in der oberen Hälfte des Rumpfes platziert werden müssen, wie bei jedem echten Vogel.
Um mit der Integration der Flügel zu beginnen, folgen wir den Schritten, die wir zu Beginn dieses Tutorials unternommen haben, und stellen uns vor, dass die Basis des Flügels ein menschlicher Arm ist. Legen wir zunächst zwei Arme von den Schulterblättern aus an.

Füge nun die Hauptabschnitte hinzu, die dem Gefieder der Flügel entsprechen, wie wir es in Abschnitt 2.1 getan haben.



3.2 Flügel an Tieren
Wie bei unseren humanoiden Figuren müssen wir auch bei den Tieren einen Punkt finden, der als skelettartiger Ursprung des Flügels dient. Finde die Schulterblätter und kreiere von diesen Gelenken aus deine fabelhaften Flügel.


Das Gleiche kann man mit jeder anderen Art von Flügeln machen, wie beim Zeichnen von Flügeln dieses Drachens:

4 Üben!
Der letzte Punkt besteht darin, dass man sich auch die Zeit nehmen muss, um zu lernen, wie man Flügeln ein Gefühl der Bewegung verleiht und sie in jeder Position und aus jedem Winkel zeichnen kann. Beginne mit einer ersten Skizze, in der du die wichtigsten Teile jedes Flügels markierst, und vervollständige sie anschließend, indem du die gewünschten Details hinzufügst.

In diesem Tutorial habe ich eine einfache Methode zum Zeichnen von gefiederten Flügeln und Flügeln mit Membranen gezeigt, die auf den ersten Blick recht kompliziert wirken. Wie du siehst, muss man nur eine Methode finden, die funktioniert, und sie wiederholen.
Jetzt weißt du, wie du die Flügel einfach und detailliert zeichnen kannst. Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit hatte, meine Methode mit dir zu teilen. Jetzt bist du an der Reihe: Male doch auch einmal die Flügel eines Engels oder eines Dämons! Ich möchte dich jedenfalls ermutigen, neue Methoden auszuprobieren, die dir dabei helfen, deine Illustrationen zu bereichern. Bis dahin hoffe ich, dass meine Tipps dir eine große Hilfe sind!

Und damit verabschiede ich mich. Ich würde mich freuen, wenn du deine Notizen und Illustrationen, die du mit diesem Tutorial erstellt hast, mit mir auf Social Media teilst.
Bei Fragen kannst du mich gerne per E-Mail kontaktieren: danielpuentemorales@gmail.com.
Wie immer ist es eine Freude, für euch alle zu zeichnen!
Künstlerprofil
Dani Puente
Webseite: http://www.danipuente.com/
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