Wie du die Aussagekraft deines Werkes stärkst

Wie du die Aussagekraft deines Werkes stärkst

Dieses Tutorial behandelt den Vorgang, einen aussagekräftigen Erzählfluss in einer einzelnen Illustration zu zeichnen. Der Visual Development-Künstler Simon Baek erklärt anhand verschiedener Elemente wie Farbe, Komposition und Raumgestaltung die dafür nötigen Techniken.

 

Jobbeschreibung eines „Visual Development“-Künstlers

Was bedeutet Visual Development („visuelle Gestaltung“)? Ich glaube, dass jedes Design oder jede Kunstform, die zur Visualisierung des Erzählprozesses beiträgt, als visuelle Gestaltung angesehen werden kann. Visual Development umfasst die Gestaltung von Bühnenbildern und Requisiten sowie Schattierungen, Farbgebung und das Malen von Landschaften. Viele Leute denken vielleicht, dass die Rolle des Visual Development-Künstlers nur darin besteht, atemberaubende Szenen für Filme zu erstellen. Dies ist jedoch nicht das einzige, was er tut. In diesem Artikel möchte ich mich auf die ersten Schritte meines visuellen Gestaltungsprozesses konzentrieren, bei dem die Szenerie im Einklang mit dem Geschichtenerzählen gemalt wird. Ich betrachte dies als einen der unterhaltsamsten Abschnitte des visuellen Gestaltungsprozesses, und es wäre cool, wenn Leute durch meine Vorgehensweise für ihre eigenen visuellen Erzählungen inspiriert werden. Heute werde ich über Werte, Kompositionen und Farben sprechen, die das Ergebnis deines Werks verbessern könnten.

 

 

Quellen sammeln

Eines meiner Hobbys ist es, auf Reisen Fotos zu schießen. Es ist wichtig, Ressourcen zu sammeln, um etwas Überwältigendes zu entwerfen. Auch wenn du nicht am Reisen oder Fotografieren interessiert bist, ist es notwendig nach realen Referenzen zu suchen, um bessere Illustrationen zu erstellen. Ich empfehle, dass du mindestens online nach Beispielen suchst. Platziere deine Quellen neben deiner Arbeit, damit du sie direkt auf dein Design anwenden kannst.

 

 

Miniaturskizzen anfertigen

Ich fange meine Zeichnungen immer mit ein paar Miniaturansichten an. In dieser Periode passe ich Formen und Komposition entsprechend des Blickwinkels an. Während dieses Prozesses entscheide ich, wo ich den Hauptschwerpunkt setzen möchte. Normalerweise wende ich hier die Zwei-Drittel-Rege an.

 

Helligkeitsaufteilung beachten

Ich muss sagen, dass dies der entscheidende Teil des Prozesses ist. Damit setzt du das Grundgerüst für das gesamte Werk. Es ist das Elementarste und auch das Wichtigste, was du im Kopf behalten musst. Tipps, die ich dir in Bezug auf die Helligkeitsaufteilung ans Herz legen möchte, sind verständliche Formen, gezielte Lenkung der Betrachtung im Bild, Gruppierungen und Kontraste. Verwende dunkle Formen, um eine ausgeglichene Szene zu schaffen. Bedenke, dass du den Blick des Betrachters auf deine Schwerpunkt lenkst und ihn so an dein Bild fesselst. Dunkle Bereiche in der Szene können ebenfalls dazu beitragen, diese Bewegungen zu kontrollieren. Denke immer daran, wenn du zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Malen beginnst, deine hier gesetzte Wertestruktur beizubehalten. Gruppiere dicht beieinanderliegende Helligkeitslevel, um Formen besser zu organisieren. Vergiss nicht: Die Gegend mit dem höchsten Kontrast wird dein Schwerpunkt, der den Blick zuerst auf sich zieht.

 

 

Farbgebung festlegen

Die Farbgebung ist notwendig, um die grundlegende Bedeutung von Beleuchtung und Stimmung des Werkes zu planen. Sie macht fast 70% deines endgültigen Gemäldes aus. Ich nutze die Farbgebung, um den finalen Look des Bildes zu bestimmen. In dieser Phase bietet es sich an, mit verschiedenen Farben und Beleuchtungen zu experimentieren. Hier liegt der Schwerpunkt nicht auf den Details, sondern die Stimmung der Szene einzufangen.

 

 

Vorder-, Mittel- und Hintergrund voneinander abheben

Du kannst diese Ebenen voneinander trennen, indem du unterschiedliche Formen, unterschiedliche Helligkeitslevel, unterschiedliche Farben und mehr verwendest. Dies ist notwendig, um Tiefe in deinem Bild zu erzeugen. Mein Tipp: Lass‘ Formen überlappen, um Tiefe zu zeigen.

 

 

In Ebenen unterteilen

Wenn ich mit dem Kolorieren beginne, verwende ich verschiedene Ebenen für verschiedene Bereiche, was später Änderungen einfacher macht und mich die Datei besser organisieren lässt. Um alles ein bisschen einfacher zu machen, beginne ich bei der Koloration mit der Aufteilung auf einzelne Ebenen für jedes Objekt. Dabei versuche ich Farben zu verwenden, die im Farbrad nah beieinander liegen, was einen Farbübergang erleichtert und eine Harmonie ins Bild bringt. Dieser Prozess bietet sich auch dafür an, zu überprüfen, ob jedes Element verständlich gezeichnet ist. Benutze dafür nur objektgebundene Farben und vermeide vorerst die Verwendung von Licht und Schatten.

 

 

Beleuchtung hinzufügen

Ich füge das Licht immer am Ende hinzu, weil es mir hilft, meinen Fokus und den Verlauf der Betrachtung im Bild zu verfeinern. Unsere Augen reagieren auf dunkle Formen und folgen Kontrasten. Beleuchtung ist der beste Weg, um einen offensichtlichen Schwerpunkt und Kontrast zu schaffen. Es ist einfacher, die Beleuchtung vor dem letzten Schritt zu entscheiden. Deshalb arbeiten Visual Development-Künstler auch an der Farbgebung, um zu visualisieren und die Lenkung der Bildbetrachtung zu planen, bevor mehr Details hinzukommen.

 

 

Letzte Schritte

Dies ist der letzte Schritt, bevor ich meine Werke beende. Zunächst beginne ich mit dem Feinschliff im Hintergrund und arbeite mich nach vorne. Normalerweise spiele ich mit leichten Abwandlungen von Farben und Texturen, um unterhaltsamere visuelle Effekte zu erzielen. Es mag nur wie ein kleiner Teil des Gemäldes aussehen, aber es kann auch einen deutlichen Unterschied machen. Da es langweilig ist, große leere Räume ohne Variationen zu betrachten, versuche ich, diese großen Formen aufzuteilen. Achte jedoch immer darauf, die Helligkeitsaufteilung dabei nicht zu zerstören. Versuche, Variationen innerhalb der gesetzten Helligkeitsbereiche vorzunehmen. Stelle dabei jedoch nicht jedes einzelne Objekt in deinem Bild zu detailliert dar. Denke immer daran, dass unsere Augen sich auf den höchsten Kontrast richten. Das detaillierte Zeichnen deines Schwerpunkts hilft dabei, die Bildbetrachtung auf natürliche Weise in Richtung des Fokus zu lenken. Überlege dir dabei, was dein zweiter Schwerpunkt sein könnte. Er sollte nicht den ersten dominieren, aber muss eine stärkere Erzählstruktur schaffen. Stelle sicher, dass du die Bildbetrachtung auch in die Richtung des zweiten Fokus lenkst. Ich würde sagen, du hast deine Aufgabe erfüllt, wenn das Publikum oder der Betrachter die Erzählstruktur versteht und sich die Stimmung des Gemäldes ohne Erklärung vorstellen kann.

 

 

 

Simon Baek

skbaek93.com

www.instagram.com/baeksimon