Hinter den Kulissen mit Concept Artist Lois Van Baarle (Loish)

Lois Van Baarle (Loish)

Lois Van Baarle ist eine freischaffende digitale Künstlerin in den Bereichen Concept Art, Illustration, Animation und Charakterdesign aus den Niederlanden. 

Lois Van Baarle

https://loish.artstation.com/

 

Nachdem sie bereits in ihrer Studienzeit damit anfing, Auftragsarbeiten zu erstellen, arbeitete Van Baarle seitdem mit namhaften Unternehmen wie Guerilla Games, Autodesk, Blizzard Entertainment und LEGO zusammen.  Mit ihrer riesigen Online-Fangemeinde ist sie auch mit ihren persönlichen Werken sehr erfolgreich. Sie veröffentlichte zwei Kunstbücher, „The Art of Loish“ und „The Sketchbook of Loish“, und arbeitet gerade an einem dritten.

 

> The Art of Loish

> The Sketchbook of Loish

 

In diesem Interview spricht sie mit uns über die unternehmerischen Aspekte als freiberufliche Künstlerin, darunter über die Nutzung verschiedener sozialer Medien und ihre Zusammenarbeit mit Auftraggebern, und über ihre wichtigsten Erfahrungen, die sie in diesem Beruf gemacht hat.

 

 

Was war Ihr erster Job als Künstlerin und wie sind Sie diesen angegangen?

Ich glaube, mein erster richtiger Job als Künstlerin war für eine Horoskop-Webseite, für die ich jedes Sternzeichen als weibliche Superheldin zeichnen sollte. Zu der Zeit hatte ich bereits viele Auftragsarbeiten gemacht – bei Aufträgen geht es darum, Zeichnungen für eine bestimmte Person anzufertigen, die in der Regel ihre selbst ausgedachte Originalfiguren oder Porträts von sich selbst oder ihren Liebsten abbilden. Ich bin diesen Job im Grunde genauso angegangen, wie ich es bei meinen Auftragsarbeiten tue: Schrittweise das Werk erstellen (grobe Skizze, grobe Farben, Endversion) und jedes Feedback so umsetzen, dass das Endergebnis mit den Kundenwünschen übereinstimmt!

 

Ich habe damals die Zeichnungen nebenher erstellt, während ich meine Animationsschule besuchte, wann immer ich zwischendurch etwas Zeit hatte. Mein erster Job nach meinem Abschluss war dann eine Kurzanimationsfilm-Serie für einen Fernsehsender hier in den Niederlanden, den ich auch ungefähr auf die gleiche Weise anging: Rohversionen abschicken, auf Genehmigung warten und eine finale Version entsprechend den Kundenerwartungen abliefern. Ich arbeite sehr strukturiert, deshalb verlief alles relativ reibungslos, auch wenn die Bezahlung ziemlich schlecht war. Aber ich habe dafür jede Menge von diesen Projekten gelernt!

 

Auf welche Weise setzen Sie, als Künstlerin mit einer großen Online-Fangemeinde, verschiedene Social Media Plattformen ein?

„ArtStation ist toll zum Anwerben von Klienten.“

 

Jede Plattform wird von einem anderen Publikum genutzt, daher überlege ich mir, welche davon als Zielgruppe für mich am interessantesten sind. Auf Instagram gibt es viele aufstrebende Künstler und junge Leute, was großartig ist, da das das Publikum ist, das meine Kunst hauptsächlich anspricht. Ich mache sehr viele Tutorials, Bücher und Workshops und das gefällt den jüngeren Leuten, die immer danach streben zu lernen und sich weiterzuentwickeln. ArtStation ist toll zum Anwerben von Klienten, da viele Unternehmen auf ArtStation nach Inspiration suchen, Moodboards für ihre Projekte erstellen und dabei auch mit Künstlern in Kontakt treten.

 

 

Deshalb liegt bei Instagram mein Fokus eher darauf, aktiv zu bleiben, viel zu posten und über meine neuesten Produkte oder Veranstaltungen zu informieren, während ich ArtStation eher als Portfolio-Seite benutze, die einen Überblick über meine Werke und Fähigkeiten geben soll. Ich halte es für wichtig, darüber nachzudenken, welche Zielgruppe man anspricht und inwieweit unterschiedliche Plattformen einen mit dieser Zielgruppe in Kontakt bringen können. Das sind meine Hintergrundgedanken, wenn ich auf verschiedenen Plattformen poste.

 

Concept Art für Aloy aus „Horizon Zero Dawn“ (Guerrilla Games)

 

Erzählen Sie uns von einem Ihrer persönlichen Projekte, das Ihnen am meisten gefallen hat!

Eines meiner persönlichen Lieblingsprojekte ist mein Kurzfilm „Trichrome“, der mein Abschlussfilm an der Utrecht School of the Arts war und für den ich auch noch zwei weitere Kurzfilme geplant habe. Ich habe es geliebt, daran zu arbeiten, weil es eine surreale Geschichte mit einem leicht dystopischen Touch ist – meine beiden Lieblingsgenres! Ich liebe es, wenn ich herausgefordert werde, über das hinauszugehen, was ich normalerweise mache (digitale Bilder ohne eine besondere Hintergrundgeschichte) und dazu inspiriert werde, eine ganze Geschichte zu erschaffen. Es hat wirklich Spaß gemacht daran zu arbeiten und es ist für mich ein sehr persönliches Werk. Ich würde sogar sagen, es ist das Werk, bei dem ich mein eigenes geistiges Eigentum bisher am meisten entwickeln konnte. Hoffentlich finde ich in der Zukunft die Zeit, um die Serie fertigzustellen!

 

> „Trichrome Blue“: https://vimeo.com/6327556

 

Was war eine der größten Lernerfahrungen in Ihrem Beruf als Künstlerin?

„Als Künstler und Freiberufler muss man klare Grenzen setzen.“

 

Meine größte Lernerfahrung hatte ich, als meine Karriere gerade so richtig in Schwung kam und ich intensiv für einige sehr große Auftraggeber gearbeitet habe. Ich war so fokussiert auf die Arbeit und darauf, die unrealistischen Deadlines meiner Klienten einzuhalten, dass ich meinen Arm verletzt habe (Sehnenscheidenentzündung) und zwei Monate lang nicht zeichnen konnte. Dadurch wurde mir klar, dass man als Künstler und Freiberufler klare Grenzen setzen muss. Seitdem mache ich mein Zeitmanagement ganz anders und ich versuche meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr so zu vernachlässigen. Wenn ich in Panik gerate oder mich überanstrenge, weil der Stress des Auftraggebers auf mich abgefärbt hat, sage ich mir, dass ich mich entspannen muss und es ruhiger angehen sollte. Ich muss akzeptieren, dass nur eine bestimme Menge an Arbeit an einem Tag machbar ist und mehr nicht drin ist. Es kann schwer sein, einen Schritt zurück zu treten, aber es ist so wichtig!

 

 

Wie sieht Ihr kreativer und interaktiver Prozess aus, wenn Sie mit Auftraggebern an einem Projekt arbeiten?

Normalerweise beginne ich mit sehr einfachen Skizzen, um herauszufinden, was der Auftraggeber will. Einigen Klienten ist es wichtiger, wie eine Figur als Ganzes aussieht, während andere sich mehr auf die Details oder die Stilisierung konzentrieren. Indem mir der Auftraggeber immer wieder Feedback gibt, kriege ich im Laufe der Zeit eine Vorstellung davon, wie er denkt und wo er seine Prioritäten setzt, sodass ich meine Arbeit an seine Bedürfnisse anpassen kann. Ich neige dazu, alles ziemlich grob zu halten, bis ich eine sehr klare Vorstellung davon habe, worauf wir genau hinarbeiten. In meinem Prozess geht es also darum, den Kunden kennenzulernen und dabei flexibel zu bleiben.

 

 

 

Was sind Ihrer Meinung nach die „Must-haves“ im Portfolio eines freischaffenden Künstlers?

„Es ist wichtig, dass man nicht nur seine besten Werke zeigt, an denen man sehr lange gearbeitet hat, sondern auch grobe Skizzen, Modellzeichnungen, Speedpaintings und alles, was die ersten Schritte des kreativen Prozesses zeigt.“

 

Unterschiedliche Berufslaufbahnen erfordern unterschiedliche Portfolios, daher sind die Anforderungen hier sehr verschieden. Animationsportfolios sind zum Beispiel völlig anders als Illustrations- oder Concept Art-Portfolios. Ich würde aber sagen, dass auf die meisten kreativen Bereiche zutrifft, dass es gut ist, wenn man Entwürfe zeigt und welche Ergebnisse man in kurzer Zeit abliefern kann.

Die meisten Kunden haben entweder großen Zeitdruck oder ein knappes Budget und schätzen es, wenn Künstler effizient arbeiten und ihre Zeit optimal nutzen. Daher ist es wichtig, dass man nicht nur seine besten Werke zeigt, an denen man sehr lange gearbeitet hat, sondern auch grobe Skizzen, Modellzeichnungen, Speedpaintings und alles, was die ersten Schritte des kreativen Prozesses zeigt. Was kannst du erstellen, wenn du nur eine halbe oder eine Stunde Zeit hast? Das ist das, was viele Auftraggeber sehen wollen.

 

 

Weitere Werke von Lois findest du auf ihrer ArtStation-Webseite:

https://loish.artstation.com/

 

Mehr Informationen über die Portfolio-Webseiten von ArtStation Pro findest du hier:

https://artstation.com/pro

 

■ Über die Autorin Sierra Mon

Sierra ist die Herausgeberin von ArtStation Magazine.

https://magazine.artstation.com/author/sierramon/