So zeichnest du Leuchteffekte für magische Porträts

So zeichnest du Leuchteffekte für magische Porträts

In diesem Artikel & Video zu magisch wirkenden Illustrationen, erklärt dir Grace Zhu, mit welchen Füllmethoden für Ebenen man Leuchteffekte erzeugt und gibt Tipps zur Farbauswahl speziell für digitale Kunst.

 

 

Index

  1. Einführung
  2. Skizze
  3. Grobes Farbschema
  4. Highlights zuletzt
  5. Licht skizzieren
  6. Licht malen
  7. Details zeichnen
  8. Spezialeffekte
  9. Schlusswort

 

1. Einführung

In diesem Tutorial werde ich dir zeigen, wie ich ein magisch leuchtendes Porträt erstelle, angefangen von der Zusammenstellung bis hin zum Schein, und wie ich anschließend dem Porträt faszinierende Effekte hinzufüge. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Tipps und Tricks, um dein Porträt fantastisch und eindrucksvoll aussehen zu lassen.
Für dieses Tutorial verwende ich CLIP STUDIO PAINT – eine vielseitige Software für Illustration, Comics und Animation.

 


 

2. Skizze

Zunächst habe ich mich für eine horizontale Darstellung entschieden; hauptsächlich, weil es einfacher ist, sie für ein Video zu verwenden. Da ein horizontaler Aufbau horizontale Linien betont, habe ich in diesem Fall beschlossen, das Haar zu einem meiner Schwerpunkte zu machen und es so zu verteilen, dass es die Leinwand füllt. Ich entschied mich dann für eine symmetrische Struktur, um ein Gefühl von Stabilität, Frieden und Ruhe zu vermitteln.

 

Für viele Menschen war 2020 ein hartes Jahr und ich wollte etwas kreieren, was die Stimmung hebt. Alle geschwungenen Formen tragen auch dazu bei, Ruhe und Harmonie zu betonen. Die Wahl von schwebender Kleidung und organisch geformten Accessoires unterstützt diese Idee ebenfalls. Da dies alles aufeinander abgestimmt ist, verstärkt es die beabsichtigte Wirkung der Zusammensetzung. Ich würde einem Gemälde wie diesem keine geraden Linien hinzufügen, es sei denn, es gäbe einen guten Grund dafür.

 


 

3. Grobes Farbschema

Manchmal experimentiere ich mit verschiedenen Farbschemata, aber ich hatte für diese Illustration bereits eine Idee, welche Farben ich für dieses Bild wollte. Das Juwel in der Mitte wird opalartig oder wie schillernder Quarz werden, viel helles Blau und Rosa.

 

 

Da ich den Charakter um diesen Kristall setze, passt ein dunkler Hintergrund mit Nachtmotiv gut dazu. Der Hintergrund ist in einer natürlichen Farbe der Nacht gehalten, um das Gefühl der Ruhe zu betonen. Es könnten auch andere Farben interessant sein, welche vermutlich jedoch mehr Aufmerksamkeit auf den Hintergrund lenken würden, was ich in diesem Fall nicht möchte.

 

Vorweg die Antwort zu einer sehr häufig gestellten Frage: Ich verwende diese Pinsel so ziemlich für das gesamte Gemälde, sofern nicht anders angegeben!

 


 

4. Highlights zuletzt

Es ist nicht immer notwendig, aber wenn ich auf organisierte Weise mit einer bestimmten Idee an etwas arbeite (anstatt zu experimentieren), ist es ratsam, so viel wie möglich zu trennen und dabei die ursprüngliche Idee beizubehalten. Wenn ich das Licht separat male, kann ich mich dadurch einzig und allein auf das Leuchten konzentrieren, damit experimentieren und Fehler in einem Werk machen, in dem die Beleuchtung äußerst wichtig ist.

 

 

Die meisten Details auf dieser Ebene werden mit einem weichen Frontlicht wiedergegeben. Ich halte die gesamte Helligkeit ziemlich niedrig, weil die hohen Helligkeitswerte schon für das Leuchten reserviert sind. Im Farbkreis ist dies der untere, linke Bereich des Dreiecks.

 

 

Am Ende gibt es ein anderes Beispiel dazu. Hier ist es mir wichtig, eine saubere Grundlage zu haben, mit der man arbeiten kann.

 

Ich benutze ein Webcam-Selfie als Referenz für die Hände. Diese Methode benutze ich schon seit sehr langer Zeit und sie hat sich immer bewährt. Sie ist sehr zuverlässig und viel weniger peinlich, als einen Freund zu fragen.

 


 

5. Licht skizzieren

Ich skizziere grob das gewünschte Licht, während ich die Füllmethode der Ebene auf Hinzufügen (Schein) setze.

 

 

Experimentiere, welche Ebene speziell verwendet werden soll (mit Nachbelichten und Abwedeln)! Hier fand ich, dass die vorher genannte Füllmethode für dieses Stück am besten passt. Im Folgenden siehst du Beispiele wie Füllmethoden sich auf die Hände ganz unterschiedlich auswirken können, aber dennoch alle den Effekt hervorrufen, dass etwas so aussieht, als ob es leuchtet.

 

 

Dieser Schritt wird auf separaten Ebenen und sehr schnell abgewickelt. Sobald das erreicht ist, nimmt alles langsam Form und Farbe an. Wenn ich herauszoome und die Augen zusammenkneife, ist das Bild wirklich schon ein Hingucker. Für ein magisch leuchtendes Porträt ist es wichtig, dass die Dinge absolut grundlos leuchten. In diesem Werk definiere ich das Leuchten durch den Edelstein und den unteren Bereich des Haares. Dies hat den Vorteil, dass das magisch schwebende Haar, der ähnlich schwebende Edelstein, das Gesicht und die Hände hervorgehoben werden. Ich nutze das Leuchten, um Teile des Bildes hervorzuheben, die ich vom Betrachter am liebsten angeschaut haben möchte.

 

6. Licht malen

Nach dem ich das Licht grob hinzugefügt habe, besteht der nächste Schritt darin, es der Umgebung entsprechend anzupassen. Leider nimmt dies mehr Zeit in Anspruch als das Hinzufügen von Licht, aber damit ein Bild ausgearbeitet wirkt, ist es ein wichtiger Schritt. Der Knackpunkt, um etwas zum Leuchten zu bringen, besteht aus einer Mischung von hartem und weichem Licht. Der eigentliche Teil, der leuchtet, muss sehr, sehr hell sein.

 

 

Das vorherige Bild mit flacher Beleuchtung weist einen geringeren Kontrast auf und alle Farbwerte befinden sich in der unteren Hälfte – mit anderen Worten, sie sind näher am Schwarz als am Weiß. Ich reserviere die helleren Bereiche für die leuchtenden Elemente. Dies macht den harten Teil des Leuchtens aus. Der weiche Teil nimmt lediglich diese leuchtenden Lichtquellen und zerstreut sie in die Umgebung. Der einfachste Weg ist, alles mit dem Airbrush-Tool umzusetzen, aber der Teil, der das Bild auf das nächste Level bringt, ist, wenn wir auf Materialien achten, bei denen das Licht teilweise blockiert wird, wie Kleidung, Haare und Haut.

 

Die Farbe, mit der ich in der auf Hinzufügen (oder Abwedeln) gesetzte Ebene zeichne, befindet sich in der unteren Hälfte des Farbrads. Warum? Die Hinzufügen-Füllmethode beeinflusst nicht nur den Wert dieser Ebene, sondern auch den aller anderen Ebenen darunter. Meine darunter liegenden Ebenen haben Werte von bis zu 0,5, und wenn meine „Hinzufügen“ Ebene 0,5 beträgt, erhalte ich Werte bis zu 1. Dies steht für die hellste Stelle, die man in einem Bild erreichen kann. Wenn deine Werte 1 überschreiten, wird der Bereich damit überbelichtet – ein sehr häufig gemachter Fehler. Sobald ein Bild überbelichtet ist, gehen Details verloren, die du später erneut malen musst. Es ist jedoch einfach, die Helligkeit eines unterbelichteten Bildes anzupassen. Hier ist ein Beispiel dafür, wie es aussieht, wenn du mit der Füllmethode Hinzufügen/Abwedeln mit einer zu hellen Farbe malst. Wie du siehst, ist der Großteil des Bereichs komplett weiß geworden und alle zuvor vorhandenen Details sind verloren gegangen.

 

 

Wir alle wissen, dass wenn man seine Hand gegen die Sonne hält, sie super rot aussieht. Ähnliches tritt bei Haaren und leichtem Stoff auf. Ich werde hier nicht zu technisch werden, aber wenn du dir Referenzen für diese Phänomene ansiehst und sie in dein Bild einarbeitest, kann dies der Unterschied zwischen gut und großartig sein. Hier füge ich der Hand einen etwas roten Ton hinzu.

 

 

Das Leuchten muss deutlich platziert sein, wenn du an dieser Stelle herauszoomst. Um die Details kümmern wir uns jedoch später. Es ist wichtig, sich auszumalen, wie sich das extrem helle Licht auf den Rest der Szene auswirken könnte. Die Haut wird beleuchtet, das Metall, der Stoff. Zusätzlich breitet sich das Licht im Haar auch über den Rest des Haares aus. Basierend auf diesen neuen Lichtquellen kann es neben dem Licht auch nötig werden, zusätzliche Schatten hinzuzufügen. Ich wende eine auf „Überlagern“ gesetzte Ebene an, um Bereiche zu schattieren, an denen dieses Licht meiner Meinung nach keine große Auswirkung hat, und füge dem Gesamtbild Kontrast hinzu.

 


 

7. Details zeichnen

Ich verwende den „Spritzer“-Airbrush, um einige Sterne im Hintergrund hinzuzufügen.

 

 

Für das Gesicht habe ich hineingezoomt und setze mit einer anderen Airbrush etwas Glanz darauf. Ich male weiter an den Ebenen Schein abwedeln oder Hinzufügen (Schein), um dem Gesicht stärkeres Licht hinzuzufügen. Sobald ich zufrieden bin, wiederhole ich einen ähnlichen Vorgang für den Körper und ein wenig für die Kleidung.

 

 

An dieser Stelle nehme ich mir auch etwas Zeit, um an einigen Details zu arbeiten, z. B. Linien und Farben, die nicht da sein sollten. Hier gibt es nicht viel zu erklären. Das kommt mit der Erfahrung. Die Details machen das Gemälde über einen langen Zeitraum angenehmer anzuschauen.

 

8. Spezialeffekte

An diesem Punkt ist das Bild fast fertig – wir müssen nur noch den letzten Schliff hinzufügen.

 

Dafür habe ich diesen Pinsel von CLIP STUDIO ASSETS benutzt (https://assets.clip-studio.com/de-de/detail?id=1752622); er hat ein Regenbogenmuster mit schillernden Elementen. Ich verwende den radialen Weichzeichner, um den Effekt so aussehen zu lassen, als ob er mehr aus der Bildmitte kommt, und setze die Füllmethode der Ebene auf „Farbig abwedeln“, damit er so aussieht, als würde er leuchten.

 


 

9. Schlusswort

Vielen Dank fürs Lesen! Ich hoffe, dieses Tutorial hat dir einige Ideen gegeben, wie du dein nächstes Bild besonders magisch gestalten kannst.

 

 

Grace Zhu

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