Wie werde ich Concept Artist für einen Hollywood-Film?

'미녀와 야수' 컨셉 아트

Concept Artists helfen dabei, die Ideen des Szenenbildners oder Regisseurs grafisch zu veranschaulichen. Concept Artist-Veteran Karl Simon spricht über seine Arbeit hinter den Kulissen und wie der Erstellungsprozess bei Concept Art für Filme abläuft.

 

Concept Art für „Die Schöne und das Biest“

 

Karl Simon

https://www.artstation.com/karlsimon

 

 

Karl hat bereits an zahlreichen Hollywood-Filmen mitgewirkt, darunter am Remake von Disney’s „Die Schöne und das Biest“, „Les Miserables“, „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, „Prince of Persia“, „Total Recall“ und viele mehr. Der in Schweden geborene Künstler, der jetzt in Großbritannien lebt, bringt eine langjährige Erfahrung in der Branche mit. Nach der High School studierte er traditionelle Kunst, brachte sich aber das digitale Zeichnen über mehrere Jahre hinweg online selbst bei. In seinen ersten fünf Jahren in der Gamesbranche arbeitete er an Texturen, Concept Art und Level-Design, bevor er in die VFX-Branche wechselte, wo er Concept Art und Matte Painting für Filme kreierte.

Derzeit ist er als freiberuflicher Künstler tätig und arbeitet hauptsächlich an Pre-Productions für Filme, Games, visuelle Effekte, Bücher und mehr.

 

In diesem Interview teilt Karl sein aus langjähriger Erfahrung erworbenes Wissen mit uns und gibt uns wertvolle Einblicke in die Arbeit eines Concept Artists.

 

Concept Art für „Les Miserables“

 

 

Berufsvoraussetzungen und Erfahrung

Es gibt keine festen Kriterien, die zwingend erforderlich wären, um den Job zu bekommen. Wie bei den meisten Jobs in der Kunstbranche, ist das Erste, was die Leute von dir sehen wollen, dein Portfolio. Dein tatsächliches Können im Zeichnen und Erschaffen einer Stimmung ist immer wichtiger als irgendein Lebenslauf, der erklärt, wann und wo du diese Fähigkeiten erworben hast. Was auch wichtig ist – und oft von vielen angehenden Künstlern übersehen wird –, ist, dass man gute Kommunikationsfähigkeiten braucht, wenn man als Concept Artist arbeitet. Denn schließlich zeichnet man im Normalfall nicht seine eigenen Ideen, sondern die von anderen!

 

 

Wichtige Faktoren: Persönliche Beziehungen, Reputation und Wohnsitz

Persönliche Beziehungen und Glück spielen in dieser Branche ganz sicher eine Rolle, aber diese Faktoren kannst du nicht so leicht beeinflussen. Reputation ist ebenfalls wichtig und das ist etwas, das du beeinflussen kannst! Mein Rat wäre, dass wenn du einen Auftrag annimmst, egal wie klein und unbedeutend, nimm ihn ernst und gib immer dein Bestes. Du weißt nämlich nie, wer oder welche Beziehung es sein wird, die dir dein Traumprojekt einbringt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Wohnsitz. Ich glaube nicht, dass ich so viele Filmjobs bekommen hätte, wenn ich nicht in London leben würde, denn die meisten Filme werden hier oder in LA gedreht.

 

Concept Art für „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“

 

 

Wie dein Portfolio aussehen sollte

Du solltest Bilder verwenden, die zeigen, dass du dich mit dem Zeichnen auskennst. Und mit Zeichnen meine ich hier die Gestaltung der Formen und Objekte in einem Bild und nicht die Art und Weise der Erstellung. Es müssen keine Bleistiftzeichnungen sein, du kannst auch Fotocollagen oder 3D-Bilder oder sonst etwas, das dir gefällt, nehmen. Concept Art muss eine Idee erklären und kommunizieren können – und das setzt ein gutes Verständnis über das Zeichnen voraus.

 

Da Film ein fotografisches Medium ist, ist es auch von Vorteil, wenn du zeigen kannst, dass du ein gewisses Grundwissen über Fotografie besitzt. Eine Weitwinkelaufnahme sieht ganz anders aus als eine Szene, die mit einem Teleobjektiv fotografiert wurde. Und eine überbelichtete Szene hat eine ganz andere Stimmung als eine unterbelichtete.

 

Concept Art für „Die Schöne und das Biest“

 

 

 Welche Vorgaben du für deine Arbeit bekommst

Am Anfang eines Projekts habe ich manchmal nur das Drehbuch als Grundlage, um meine Skizzen zu erstellen. Bald danach bekomme ich aber auch Bildmaterialien, mit denen ich arbeiten kann. Das kann eine vom Regisseur bekritzelte Serviette sein, ebenso wie Plan- und Ansichtsskizzen vom Szenenbildner oder 3D-Modelle und Renderings von anderen Künstlern. Wenn ein Film eher an realen Orten spielt statt in Filmkulissen, mache ich Paint-overs mit Fotos von diesen Orten.

 

Concept Art für „Total Recall (Die totale Erinnerung)“

 

 

Zeitliche Erwartungen in der Branche

Wie lange ich an einem Konzept arbeite, ist jedes Mal sehr unterschiedlich. Manchmal erstelle ich einfach nur ganz viele Schwarzweißskizzen, die wirklich praktisch sind, z. B. um eine Komposition für eine Aufnahme zu finden, mehrere Winkel eines Umgebungsdesigns abzudecken oder Posen, Verhalten und Silhouette für einen Charakter zu finden. Von solchen Skizzen kann ich 5 oder 6 an einem Tag erstellen.

Manchmal muss das Design aber auch wirklich vollständig ausgearbeitet werden. In dem Fall erstelle ich ein 3D-Layout oder eine detaillierte Linienzeichnung, das dann abgesegnet werden muss, bevor ich mit den Farben, der Stimmung und dem Licht weitermache, die Materialien sorgfältig auswähle, die Charaktere hinzufüge und all der andere Kram. Das kann zwischen ein paar Tagen und einer ganzen Woche dauern, je nachdem, wie schnell wir das Design genehmigt kriegen und wie komplex die Szene ist.

 

Concept Art für „Legend of Tarzan“

 

 

Zusammenarbeit und Ablauf in der Film Pre-Production

Bei der Pre-Production arbeite ich eng mit dem Verantwortlichen für die Kunstabteilung zusammen, was in der Regel der Szenenbildner ist. Szenenbildner haben eine Vision für das Aussehen eines Films und sammeln dafür viele Referenzbilder oder erstellen Skizzen, um ihre Ideen zu erklären. Manchmal arbeite ich auch mit einem Artdirector zusammen, indem wir Zeichnungen und 3D-Modelle austauschen, um das Design für ein Set zu entwickeln. Wenn ein Regisseur sehr visuell orientiert ist, kann es vorkommen, dass auch er mitredet und direktes Feedback gibt. Bei der Arbeit mit visuellen Effekten arbeite ich unter einem VFX-Supervisor oder Art Director, der wiederum unter dem Regisseur arbeitet. Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich.

 

Concept Art für „Les Miserables“

 

 

Herausforderungen & Frustrationen

Ich werde frustriert, wenn ich zu lange an derselben Sache sitze, egal was es auch ist. Aber ich liebe alle Arten von Concept Art und Illustrationen, deswegen arbeite ich auch sowohl in der Gamesbranche als auch in der Printmedienbranche und der Filmbranche.

 

 

Kommunikation

Es ist immer eine gemeinschaftliche Leistung, das Aussehen eines Films oder Spiels zu entwickeln, und ein hübsches Bild hat keinen Nutzen, wenn es nicht das Richtige aussagt.

Ich denke, viele Künstler unterschätzen die Bedeutung von Concept Art als Kommunikationsinstrument. Es ist wichtig, ein guter Zuhörer zu sein und keine Angst zu haben, Fragen zu stellen.

 

Concept Art für „Ex Machina“

 

 

Etwas Bedeutendes lernen und erschaffen

Bei allen Projekten, an denen ich beteiligt war, hatte ich das große Glück, mit super netten und sachkundigen Leuten zusammenzuarbeiten. Jeder ist auf seinem Gebiet ein Experte, und ich selbst habe noch so viel zu lernen, was das Filmemachen angeht. Mit diesen großartigen Menschen zu arbeiten und von ihnen zu lernen, ist für mich die größte Bereicherung, die es gibt, weil sie mir helfen, als Künstler zu wachsen. Es ist auch ein tolles Gefühl, wenn man bei der Arbeit an einem Film-Set oder einer Szene freie Hand für das Design und die Atmosphäre bekommt und dann sieht, dass es genehmigt wird und in einen echten Film verwandelt wird.

 

Persönliches Concept Art

 

 

Weitere Ratschläge für aufstrebende Concept Artists

Hol dir deine Inspiration von anderen Dingen als von Concept Art! Es gibt so viele verschiedene Arten von Kunst, und normalerweise sind es die Kunstformen, über die du am wenigsten weißt, von denen du am meisten lernen kannst. Versuch einmal, dir für einen Monat lang gar keine Concept Art anzuschauen. Sieh dir stattdessen Skulpturen, moderne Kunst, Illustrationsmagazine aus den 60er-Jahren, Schwarzweißfilme aus den 20er-Jahren usw. an, um etwas zu lernen. Dies wird deine Kunst bestimmt in neue, aufregende Richtungen führen.

 

Zeichne und male außerdem mehr aus dem echten Leben! Dein Gehirn nimmt mehr Informationen auf, als du denkst, wenn du dich mit etwas richtig auseinandersetzt und die Welt um dich herum beobachtest. Es kommt dir vielleicht banal und langweilig vor, solche alltäglichen Dinge zu zeichnen, aber am Ende wirst du mehr daraus lernen als die Energie, die du hineingesteckt hast.

 

Concept Art für „Prince of Persia“

 

 

Weitere Werke von Karl findest du auf seinem ArtStation-Profil oder auf seiner Homepage.

https://www.artstation.com/artist/karlsimon

http://karlsimon.com/index.html

 

■ Über die Autorin Sierra Mon

Sierra ist der Herausgeber des ArtStation Magazines.

https://magazine.artstation.com/author/sierramon/