Perspektive zeichnen für Anfänger: Tiefe und Entfernung passend ausdrücken

Mit diesen ersten Schritten lernst du, wie du perspektivisch zeichnest. Nutze die Augenlinie und Fluchtpunkte gezielt für deine Comics und Illustrationen ein.

 

Viele Künstler haben Schwierigkeiten, die Perspektive zu erlernen. In diesem kurzen Artikel erkläre ich die Grundlagen verschiedener Perspektiven. Die einzelnen Punkte sind recht einfach zu verstehen.

Erlerne die Grundlagen des perspektivischen Zeichnens und beginne deine Reise zum Zeichenprofi!

 

1 Was bedeutet „Perspektive zeichnen“ in Illustrationen?

Perspektivisches Zeichnen verleiht flachen Bildern ein dreidimensionales Gefühl. Um diesen Effekt zu erzielen, musst du nahe und weit entfernte Objekte mit den richtigen Größenverhältnissen zeichnen.

1.1 Linearperspektive

Die Linearperspektive ist die bekannteste Methode.

Man zeichnet Objekte, die mit zunehmender Entfernung kleiner werden, bis sie an einem bestimmten „Fluchtpunkt“ verschwinden. Dadurch entsteht ein Raumgefühl in deinem Werk

Linearperspektiven haben Fluchtpunkte, und alles andere basiert auf den Linien, die zu diesen Fluchtpunkten führen.

● Zentralperspektive zeichnen

Diese Methode hat einen einzigen Fluchtpunkt, und alles führt zu diesem Punkt. Die Zentralperspektive ist die einfachste Form der Linearperspektiven und wird normalerweise für Räume und Korridore verwendet.

 

● Perspektive mit zwei Fluchtpunkten zeichnen

Diese Methode hat zwei Fluchtpunkte.

Die 2-Punkt-Perspektive wird häufig zum Zeichnen der Außenansicht von Gebäuden verwendet.

Ein Merkmal der 2-Punkt-Perspektive ist, dass alle vertikalen Linien senkrecht zum Horizont verlaufen.

 

● Vogel- bzw. Froschperspektive zeichnen

Hier gibt es jeweils drei Fluchtpunkte.

Durch das Hinzufügen eines dritten Fluchtpunkts über oder unter dem Horizont bzw. der Augenhöhe der 2-Punkt-Perspektivemethode bringst du die Kamera dazu, ein Objekt von oben (= Vogelperspektive) oder unten (= Froschperspektive) zu betrachten.

Aus diesen beiden Winkeln betrachtet, entsteht eine Höhenverzerrung. Die Frosch- bzw. Vogelperspektive wird zum Zeichnen einer solchen Verzerrung der Höhe verwendet.

1.2 Augenlinie

Der Ausdruck „Augenlinie“ wird dir häufig begegnen, wenn du etwas über Perspektive lernst. In der Kunst steht die Augenlinie für die Augenhöhe. Das ist wie bei der Fotografie, wo die Linie der Höhe der Kamera entspricht.

Durch das Festlegen der Augenlinie kannst du die Gesamtstruktur deines Werkes bestimmen. Wenn du beispielsweise die Augenlinie deines Bildes auf dieselbe Augenhöhe wie die deiner Figur setzt, erzeugst du eine Frontalansicht der Figur.

 

● Augenlinie und Horizont

Es ist immer hilfreich, die Beziehung zwischen Augenlinie und Horizont im Kopf zu behalten. Um beim Beispiel der Kamera zu bleiben: Wenn die Kamera parallel zum Horizont aufgestellt ist, deckt sich die Augenlinie mit dem Horizont. Durch das Anheben der Augenlinie wird auch die Position des Horizonts angehoben. Durch das Absenken der Augenlinie wird auch die Position des Horizonts abgesenkt.

 

1.3 Worauf du beim perspektivischen Zeichnen achten solltest!

Darauf solltest du beim perspektivischen Zeichnen achten.

● Fluchtpunkte nicht zu nahe beieinander

Wenn mehrere Fluchtpunkte vorhanden sind, wird die Darstellung zu stark verzerrt, wenn sie zu dicht beieinanderliegen. Deshalb merk dir, dass du immer einen angemessenen Abstand zwischen den Fluchtpunkten lässt!

 

● Achte auf deine Augenlinie!

Die Position der Augenlinie bei der Zentralperspektive und der 2-Punkt-Perspektive sollte nicht zu hoch oder zu tief liegen. Wenn du die Augenlinie bzw. den Horizont in einer Zentralperspektive hebst, sieht es so aus wie in der Abbildung oben. Man sollte eigentlich auf die Box herunterblicken, aber es gibt zu viel Höhenverzerrung, um es natürlich wirken zu lassen.

 

2 Perspektive zeichnen für Anfänger

2.1 Übungen

Lass uns unser neues Wissen anhand einer einfachen Box auf die Probe stellen.

Durch Zeichnen verbesserst du dein Verständnis für Perspektiven.

Hier werden wir die 2-Punkt-Perspektive verwenden:

1) Skizze erstellen

Zeichne als Erstes eine Skizze einer Box. Das Zeichnen einer groben Skizze ist der beste Weg, um die Gesamtstruktur zu bestimmen. Du solltest bereits darüber nachdenken, wo die Fluchtpunkte und der Horizont liegen sollen.

 

2) Fluchtpunkte bestimmen

Zeichne die Fluchtpunkte, die Augenlinie und die Hilfslinien, ausgehend von den Fluchtpunkten, ein.

Verbessere nun die Linien der Skizze. Ein Fluchtpunkt ist der Punkt, an dem die verlängerte Hilfslinie auf die Augenlinie trifft. Die Augenlinie verläuft parallel zum Bild und die beiden Fluchtpunkte liegen WEIT auseinander – nicht vergessen!

 

3) Linien zeichnen

Zeichne Linien von den Oberkanten der Box zu den Fluchtpunkten. Zeichne in der 2-Punkt-Perspektive vertikale Linien – immer senkrecht zur Augenlinie. Verwende für gerade Linien ein Lineal.

 

4) Fertig!

Entferne alle unnötigen Linien und du bist fertig! Wenn du eine Box zeichnen kannst, kannst du diese Methode auch zum Zeichnen von Gebäuden anwenden. Du kannst sie sogar verwenden, um eine grobe Skizze der Umgebung der Figuren zu erstellen.

2.2 Aufteilung

Durch das Einzeichnen einer diagonalen Linie kann ein Objekt perspektivisch in gleich große Teile unterteilt werden. Diese Aufteilung ist oft gut, um Objekte wie Fenster in Gebäuden zu zeichnen.

Aufteilung beim perspektivischen Zeichnen

● Aufteilung in zwei gleich große Teile

Für die Zentralperspektive und 2-Punkt-Perspektive gilt: Zeichne an der Stelle, wo sich vertikale Linien kreuzen (Punkt A), einen senkrechten Strich, um ein Objekt gleich groß aufzuteilen. Bei einer Vogel- bzw. Frosch-Perspektive gilt: Verbinde den Fluchtpunkt, der deine Höhe bestimmt, mit dem Schnittpunkt der Diagonalen.

Wenn du das Objekt in zwei Teile teilen kannst, kannst du es mit derselben Methode auch in vier Teile teilen.

 

● Einteilung in drei gleich große Teile

Du kannst eine weitere Linie hinzufügen, um das Objekt in drei Teile zu unterteilen. Verbinde Punkt B mit einer Ecke (Punkt C und Punkt C’) und verwende dann diese beiden Punkte, die die diagonalen Linien (Punkt D und Punkt D’) kreuzen, um eine Linie zu zeichnen. Auf diese Weise wird das Objekt in drei gleich große Teile geteilt.

Aufteilung parallel verlaufender Linien beim perspektivischen Zeichnen.

● Andere Aufteilungsmethoden

Zeichne eine Linie parallel zur Augenlinie, die durch den Punkt E verläuft, und teile sie wie in der oberen Abbildung. Verwende den Punkt, an dem sie die durch Punkt F verlaufende Linie treffen, um das Objekt zu teilen. Dies ist nützlich, wenn du ein Objekt in viele gleiche Teile aufteilen möchtest.

 

3 Perspektive zeichnen für Fortgeschrittene: Luft- und Farbperspektive

Hier wird beim Zeichnen die Luftperspektive und Farbperspektive eingesetzt.

In der linearen Perspektive zu zeichnen, ist nicht die einzige Möglichkeit, Distanz zu zeigen. Indem du Objekte, die näher zu dir sind, in dunkleren Farben zeichnest, kannst du auch mit der sogenannten Luftperspektive Raumtiefe hervorheben.

 

Wenn du dir weitläufige Landschaften anschaust (z. B. Berge, Gebäude in Städten), wirst du feststellen, dass sie verschwommener erscheinen, je weiter sie entfernt sind. Sie erscheinen auch blasser und heller. Das kannst du beim Zeichnen weiter entfernter Objekte anwenden, um räumliche Tiefe zu erzeugen.

 

Ebenso bietet sich die Farbperspektive an. Sie vermittelt Tiefe durch das Ändern von Farben, die je nach Entfernung variieren. Wenn du zwei Formen derselben Größe, eine in Rot und eine in Blau, nebeneinander stellst, wird dir die rote Form so vorkommen, als wäre sie im Vordergrund. Diesen Effekt verursachen warme Farben.

Diese Farbperspektive ist hilfreich bei der Überlegung der Gesamtstruktur und des Farbschemas für deine Illustration. Wenn du beispielsweise etwas hervorheben möchtest, verwende Rot statt Blau.

 

Geschrieben von: Yusuke Yamanaka (山中ユウスケ)
Produziert von: Sideranch Inc.